Nichts zu verbergen - Nichts zu befürchten???
Die BBC lässt einen Mann zu Wort kommen, der unschuldig ein Opfer der nachlässigen Ermittlungsarbeit britischer Ermittler wurde und dessen Leben sich in Folge nachhaltig verändert. Eine Entschuldigung der Polizei beziehungsweise der Regierung steht bis heute aus.
Dabei ist Simon Bunce, um den es in dem BBC-Bericht geht, vermutlich nur einer von vielen Briten, die ähnliche Erfahrungen machten. Obwohl der einzige Beweis, der gegen sie vorlag, eine Kreditkartennummer war, die im Zusammenhang mit einem Zugangssystem für Erwachsenenseiten gebraucht worden war. Bei Ermittlungen, die im Jahr 1999 in den USA begonnen hatten, waren unter diesen Erwachsenenseiten auch Sites gefunden worden, die angeblich Kinderpornos enthielten. Bei den weiteren Ermittlungen konnten die Kreditkarten jener Personen erfasst werden, die für den Besuch dieser Sites gezahlt hatten. Diese Daten wurden via Interpol an die Strafverfolgungsbehörden anderer Länder weitergegeben.
In den USA wurden damals 35.000 Kreditkartenbesitzer ermittelt, aber nur gegen etwa 100 Personen wurde Klage erhoben. Die US-Ermittler hatten jeweils weitere Beweise gesucht und gefunden, die eine Klage rechtfertigten. In Großbritannien dagegen betrachtete man die Besitzer der 7.250 gefundenen Kreditkarten von vornherein als dringend der Tat verdächtigt. Viele Betroffene, die ihre Unschuld beteuerten und auf eine möglicherweise gestohlene Kartennummer hinwiesen, wurden der Lüge bezichtigt.
Obwohl es wahrscheinlich vielen so ging wie dem von der BBC beschriebenen Mr. Bunce, der bis zum Jahr 2002 ein gut verdienender Angestellter und glücklicher Familienvater war. Doch auch seine Kreditkartennummer tauchte auf der Liste der “Operation Ore” auf, die von der britischen Polizei nach Übergabe der genannten Daten gestartet worden war. Wie in mehr als 4.200 ähnlichen Fällen wurde auch seine Wohnung durchsucht und der gefundene Computer wurde konfisziert. Er selbst wurde verhaftet und als sein Arbeitgeber von der Verhaftung erfuhr, wurde Bunce umgehend gefeuert. Seinem Vater berichtete er von dem Vorfall, mit dem Erfolg, dass dieser ebenso wie seine Geschwister den Kontakt zu dem “Pädophilen” abbrach.
Bunce gab aber nicht auf und besorgte sich mit Hilfe von FoIA-Infomationsbegehren die in den USA gefundenen Beweisstücke und konnte schließlich nachweisen, dass die mit seiner Kreditkarte verbundene Bestellung von einem Rechner in Indonesien ausgegangen war. Noch dazu war Bunce zum Zeitpunkt der Bestellung nachweislich in einem Restaurant. Das akzeptierte zwei Jahre später auch die Polizei als Beweis seiner Unschuld und stellte die Ermittlungen ein.
Weitere sechs Monate später fand Bunce auch endlich wieder einen Job, wenngleich er nur noch ein Viertel seines früheren Gehalts erhielt. Heute nun klagt er vor dem High Court gegen den Online-Shop, der mutmaßlich dafür verantwortlich war, dass seine Kreditkarte kompromittiert werden konnte. Ob diese Klage erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten.
Erwähnenswert ist dabei vielleicht noch, dass es im Jahr 2003 auch Verdachtsmomente gab, dass sich einige Berater und Helfer des damaligen britischen Premiers ebenfalls auf der Liste der Operation Ore befunden haben sollen. Es wurde weiter getuschelt, dass Tony Blair die Medien-Verantwortlichen in einer “D-Notice” (in etwa: Regierungsanweisung) dazu aufgefordert hat, nicht über diese Fälle zu berichten.
Ein damals im Counterpunch zitierter Journalist meinte dazu jedenfalls, dass sich Redakteure und Herausgeber augenscheinlich abgesprochen haben, in diesen schwierigen Zeiten und angesichts eines in der Bevölkerung unerwünschten Kriegs gegen den Irak nicht über Pädophile in der Regierung zu berichten. Mit soviel Entgegenkommen konnten Bunce und andere Verdächtige nicht rechnen. Die Medien schenkten nur den polizeilichen Mitteilungen Glauben und Tatverdächtige haben keine Pressesprecher.
Quelle: Intern.de
